Ich saß in einem Meeting...

Gedanken an die Zeit: unbezahlbar

 

 

ZEIT – ich saß letzte Woche in einem Meeting

 

 

Die Zeit ist schon so eine merkwürdige Sache.

 

Kaum zu verstehen und doch… so wichtig.

 

 

Vor mir liegt DER SPIEGEL Wissen. Mein Mann hat das Heft vor dem

 

Wochenende mitgebracht. „Hier. Das ist doch was für Deine Praxis.

 

Da geht es um Zeitmanagement.“

 

 

Ja, ist es. Es ist etwas für meine Praxis.

 

Aber vor allem ist es etwas für mein Leben. Immer und immer wieder.

 

Und es ist etwas für all die anderen Leben.

 

 

 

 

Ich habe unzählige Mal über das Thema Zeit nachgedacht.

 

Als Kind auf dem Apfelbaum. Wie schön die Zeit doch ist. In der Schule,

 

als die Stunde kein Ende nahm. Als Studentin in der Nacht vor der nächsten Klausur. Auf Reisen am

 

Meer, als ich einfach nur den Wellen lauschte. Beim Beobachten meiner Tochter, als sie schlief und

 

dabei wieder ein Stück wuchs. Wunderschön und viel zu schnell.

 

  

Und.

 

 

Letzte Woche zum Beispiel auch. 

 

Ich saß in einem dieser Meetings. Großkonzern. Präventionsarbeit. 

 

Der Ablauf solcher Meetings verläuft in der Regel wie folgt: 

 

„Guten Tag, blablabla Begrüßung, blablabla haben nur wenig Zeit (aha!), aber schön dass Sie da sind.

 

Nehmen Sie Platz. Brabbelbrabbel. Unsere Mitarbeiter sind alle total zufrieden, haben eine halbe

 

Stunde Mittagspause (oh no!) und die nutzen sie kaum, da sie so überaus verantwortungsbewusst

 

arbeiten (ja, bestimmt) , und und und… alles Bestens.“

 

 

 

Dann wird aufgezählt wie gut das Personalmanagement arbeitet (fast schon wie ein interner Therapeut

 

(immer wieder Gelächter vom Vortragenden selbst).

 

Alle Mitarbeiter vertrauen sich an, da sie wie eine große Familie sind etc..

 

Und so groß ist das Vertrauen! Alle sind entspannt.“

 

Ende der fabelhaften Selbstdarstellung.

 

 

Nach solchen Monologen stehe ich regelmäßig auf, verabschiede mich mit einem Lächeln.

 

Ich weiß sehr wohl, dass diverse Mitarbeiter dieses und verschiedener Konzerne/ Firmen/

 

Unternehmungen Patienten von mir sind, da der Druck des Lebens, der Arbeit, der Begegnungen zu

 

hoch ist und zu wenig Zeit zur Verfügung steht all das zu verarbeiten.

 

 

Das Vertrauen zur Firma besteht manchmal, ist aber eben nur die Firma.

 

Die Institution die über den Arbeitsplatz bestimmt. Leider doch keine Familie und leider auch kein

 

Therapeut. Aus tausend und einem Grund. Kein Gelächter.

 

 

 

Der Herr, mit dem ich letzte Woche das umschriebene Meeting hatte, wirkte gestresst, angespannt.

 

Seine Körpersprache und seine Mimik sprachen Bände. Stellvertretend für sehr viel Damen und Herren

 

von denen ich immer wieder das Gleiche höre, bzw. bei denen ich beobachten darf.

 

Schade. Merkwürdige Philosophien. Leider nicht zeitgemäß. Nein.

 

 

Ich kann nur Kopf schütteln und meine Arbeit machen. Ja, es fällt mir schwer urteilsfrei zu bleiben.

 

Wie gern würde ich eingreifen, klarstellen. Aber das ist nicht meine Aufgabe. Nicht mein Auftrag.

 

Fühle ich mich gedanklich in den Tagesablauf von mittleren und großen Unternehmen, schaue mir

 

Körpersprache und Ausdruck der Mitarbeiter und Manager an, atme ich zuerst tief durch.

 

 

Wo wollt Ihr nur alle hin?

 

Viele Patienten die den Weg zu mir finden stellen unter Tränen meist zuerst die gleiche Frage:

 

„Bin ich verrückt?“

 

Nein. Die Zeit ist verrückt. Nur die Zeit.

 

 

Wer auf einem Apfelbaum sitzt, wieder Kind im Herzen ist, den Wind im Gesicht spürt und die Zeit

 

langsam verstreichen lässt (einfach so), der weiß wie wertvoll diese eine Erkenntnis ist.

 

Gedanken an die Zeit. 

 

 

Unbezahlbar.   

 


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Kommentare: 8
  • #1

    Stefan (Donnerstag, 18 August 2016 14:47)

    Heilt die Zeit alle Wunden? Ich glaube ja, man muss der Zeit nur genug Zeit lassen, damit alles gut werden kann.

  • #2

    Katrin Hinrichsen (Mittwoch, 31 August 2016 08:12)

    Lieber Stefan, vielen Dank für Ihren Beitrag.
    Zeit kann Wunden heilen. Die Wunden werden zu Narben, welche es anzunehmen gilt. Narben erzählen einen Teil unserer Lebensgeschichte. Manchmal ist es an der Zeit, das Alte loszulassen und weiter zu gehen, um Neues und Schönes entdecken zu können.. Alles im ganz eigenen, individuellen Tempo, ohne zu überfordern.

  • #3

    Karsten (Montag, 24 Oktober 2016)

    Das Wichtigeste an einer gut verbrachten Zeit ist, wenn man diese Zeit für jemanden anderen aufgewndet hat.
    Wir selbst vergeuden doch sehr viel Zeit für Dinge, die nicht so wichtig sind.
    Aufmerksamkeit für andere Menschen ist umso schöner.

  • #4

    Christian Bode (Freitag, 25 November 2016 14:25)

    Zeit wird sehr unterschiedlich wahrgenommen: da gibt es die biologische Uhr, die vor allem Frauen an ihre vergängliche Fruchtbarkeit erinnert, Krähenfüsse ins Gesicht zaubert oder einen zu Großeltern macht. Die innere, gefühlte Zeit/Uhr weicht meistens von der objektiven Zeitmessung ab: man ist immer so jung wie man sich fühlt heisst es. Und in der Tat: kaum jemand fühlt sich innerlich so alt wie es der Personalausweis vorschreibt.
    Diese Diskrepanzen deutlich zu machen und damit gut umzugehen ist eine Kunst, die man erlernen kann.

  • #5

    Eli Maurin (Sonntag, 05 Februar 2017 17:17)


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  • #6

    Hinrichsen (Montag, 06 Februar 2017 09:43)

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  • #7

    Rosio Walworth (Montag, 06 Februar 2017 19:05)


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  • #8

    Hinrichsen (Montag, 06 Februar 2017 19:13)

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